Doula – die Dienerin der Frau

Was ist eine Doula?

Geburt

Das Wort Doula stammt vom altgriechischen δούλη (doulê) „Dienerin, Sklavin, Magd“. Daher kann man sie als „Dienerin der Frau“ deuten.  Sie hat die Funktion einer Geburtsbegleiterin.

In früheren Zeiten wurden Frauen immer von anderen Frauen, die schon Kinder geboren haben, bei der Geburt begleitet. Dies geschah häufig durch Tanten, Schwestern, Müttern. Seitdem Geburten heutzutage mehr in Krankenhäusern als im eigenen Zuhause stattfinden ist diese durchgängige Begleitung während der Geburt meist nicht mehr gewährleistet. Hebammen betreuen mehrere Geburten gleichzeitig und kommen im Laufe einer Geburt regelmäßig zur rein medizinischen Kontrolle vorbei. Ärzte sind meist noch wesentlich kürzer anwesend (solange keine größeren Komplikationen auftreten).

Eine Doula hingegen bleibt während der Geburt kontinuierlich bei der Gebärenden und kümmert sich ausschließlich um ihre (nicht-medizinischen!) Bedürfnisse. Aufgrund von Personalsituationen in Krankenhäusern, finden Hebammen lediglich die Zeit sich um die (selbstverständlich nicht unwichtigen) medizinischen Aspekte der Geburt zu kümmern. Die psychische und emotionale Betreuung kommt da meistens zu kurz. Die Doula hingegen hat keine medizinische Funktion (und ist dafür nicht ausgebildet). Sie tröstet, massiert und schlägt Entspannungs- und Atemtechniken vor, tupft den Schweiß von der Stirn, ermutigt und lobt und ist einfach die ganze Zeit da. Sie hilft den Frauen ihre Fragen zu formulieren, ihre Wünsche und Vorlieben zu äußern. Sie treffen keine Entscheidungen für die Frauen, die sie begleiten. Da die Doula und die werdende Mutter sich schon während der Schwangerschaft kennen lernen, weiß die Doula schon vorab was sich die Mutter für die Geburt wünscht.

Das Modell der kontinuierlich anwesenden Geburtsbegleiterin wurde zuerst in den USA wiederbelebt, wo es in Krankenhäusern weniger Hebammen gibt als in Deutschland  und daher mehr Doulas. 2008 wurde in Freisbach der deutsche Doula-Verband „Doulas in Deutschland e.V.“ gegründet.

Wer profitiert von einer Doula?

Jede Frau, die sich die kontinuierliche Begleitung unter der Geburt wünscht, kann von einer Doula profitieren. Besonders hilft es u.a. Frauen in den unten stehenden Situationen:

  • Erstgebärende, die Angst vor der Geburt haben
  • Sehr junge werdende Mütter
  • Frauen, die zuvor eine schwere oder traumatische Geburt erlebt haben
  • Schwangere, die ein Kind mit Behinderung erwarten
  • Schwangere, deren Partner es vorzieht bei der Geburt nicht dabei zu sein
  • Schwangere ohne Partner
  • Geplante Kaiserschnitte

Bringt das wirklich was?

Aus Studien, die  die amerikanischen Kinderärzte John Kennell und Klaus Marshall in den 1970er Jahren durchführten, ging hervor, dass die kontinuierliche Anwesenheit einer Person, die sich der Gebärenden „positiv zuwendet“, einen großen Einfluß auf die Geburt hat. Unter anderem wird gemäß ihrer Studien  die Geburtsdauer verkürzt, der Bedarf nach Schmerzmitteln oder wehenfördernden Mitteln reduziert, die Kaiserschnittrate verringert und die Häufigkeit von nachgeburtlichen  Depressionen verringert.

Ein „Cochrane-Review“ (2013) zum Thema „Kontinuierliche unterstützende  Betreuung für Frauen während des Geburtsprozesses“ berichtet  über folgende Ergebnisse von 22 Studien mit 15.288 Frauen:

Für Frauen, die der kontinuierlichen Betreuung zugewiesen  waren,

  • war es  wahrscheinlicher  eine  spontane  vaginale  Geburt  zu  haben
  • zeigte sich eine geringere Wahrscheinlichkeit, eine Schmerzmedikation in Anspruch zu nehmen und eine höhere Wahrscheinlichkeit zufrieden zu sein
  • waren die Geburten kürzer
  • gab es eine geringere Wahrscheinlichkeit für  einen  Kaiserschnitt oder  eine  Geburt mit Saugglocke oder Zange
  • gilt, dass ihre Säuglinge eine geringere Wahrscheinlichkeit hatten, einen niedrigen 5-Minuten-Apgar Score zu haben

Es wurde außerdem deutlich, dass die größten Vorteile entstanden, wenn die betreuende Frau weder zum Krankenhauspersonal gehörte, noch zum sozialen Netzwerk der Gebärenden.

Und der Vater?

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Rolle des werdenden Vaters im Kreißsaal sehr verändert. Viele nehmen heutzutage bereits an Geburtsvorbereitungskursen teil und sind während einem Großteil der Geburt anwesend.

Die Doula ersetzt während der Geburt nicht die Rolle des Partners.  Doula und Partner sollten sich im besten Fall ergänzen und so der Frau die bestmögliche Unterstützung bieten. Vom Partner wird durch die Anwesenheit einer Doula häufig ein gewisser Druck genommen, so dass er ganz entspannt die unterstützenden Aufgaben übernehmen kann, mit denen er sich wohl fühlt. Auch der für viele Partner erschreckende Zustand der Frau unter heftigen Wehen kann durch die kontinuierliche Anwesenheit einer Doula weniger Unbehagen auslösen, da diese sich, durch ihre Erfahrung, von den Vorgängen der Geburt (Schreie, Blut, etc.) nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Nicht jeder Mann ist dafür gemacht eine Geburt an der Seite seiner Frau (alleine) durchzustehen. Man sollte nicht unterschätzen was für eine Extremsituation eine Geburt darstellt. Nicht nur für die Gebärende selbst. Schwangere können zu Furien werden und ihre Partner  anschreien, keine Ratschläge mehr annehmen. Oft können Begleitpersonen die Schreie und die offensichtlichen Schmerzen selber nicht mehr aushalten und würden am liebsten gehen. Die Anwesenheit einer Doula kann hier Entlasten, da der Partner zum Beispiel ohne schlechtes Gefühl den Raum verlassen kann um z.B. etwas zu Essen oder frische Luft zu schnappen.

Was kostet die Betreuung durch eine Doula?

Die Leistungen einer Doula wird privat bezahlt und nicht von der Krankenkasse übernommen.

Die meisten Doulas berechnen zwischen 450,- bis 750,- Euro. Dies ist eine Pauschalzahlung, die die folgenden Leistungen umfasst:

  • 1-2 Besuche während der Schwangerschaft, so dass Doula und Schwangere sich kennenlernen können
  • Rufbereitschaft  ca. 2-3 Wochen vor und nach dem errechneten Entbindungstermin . In diesem Zeitraum ist die Doula ist rund um die Uhr erreichbar und verfügbar.
  • Geburtsbegleitung von der ersten Wehe bis zum Ende der Geburt.
  • Nach der Geburt finden noch einmal ca. 2 Besuche statt. Besonders nach schwierigen Geburten kann dies zur Verarbeitung der Geburt helfen.

Wie wird man eine Doula?

In Deutschland wird eine Doula-Ausbildung in von „Doulas in Deutschland e.V.“ angeboten. Desweiteren führt die GfG, Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit e.V., eine Weiterbildung zur GfG-Doula durch.

Weiterbildung bei der GfG

8 Wochenenden über 9 Monate + Praxisreflexion 3 Monate nach Ende, Kosten: 2.480 €

Voraussetzungen bei der GfG:

  1. Erfahrung mindestens einer eigenen Geburt
  2. Mindestalter 30 Jahre
  3. körperliche und seelische Belastbarkeit
  4. Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit

Ausbildung bei Doulas in Deutschland e.V.

4 Kursblöcke (jeweils Fr-So) über 9 Monate, Kosten: 1.300 €

Voraussetzungen bei Doulas in Deutschland e.V.:

  1. selbst geboren zu haben
  2. ein Mindestalter von 25 Jahren
  3. körperliche und seelische Belastbarkeit
  4. die Möglichkeit, eine Rufbereitschaftszeit zuverlässig mit dem eigenen Familien-/Berufsleben vereinbaren zu können

 

Hebamme und/oder Doula?

Über die Vorteile einer kontinuierlichen Geburtsbegleitung scheint man sich an vielen Stellen einig zu sein. Kritische Stimmen zum Thema Doula findet man hauptsächlich bei der Frage, ob die Doula in Konkurrenz zur Hebamme steht.

Es gibt Schnittmengen, wie z.B. Vorgespräche zur Geburt, Hilfe bei Schwangerschaftsängsten, Teile der Wochenbettbetreuung, wie Stillberatung und Hilfe beim Umgang mit Neugeborenen. Dies kann als schwierig angesehen werden, da dann diese Leistungen aus dem Krankenkassen untersützten System herausgenommen und privat bezahlt werden.

„Die schwierige finanzielle Situation von Hebammen muss Beachtung finden. Es kann nicht sein, dass Hebammen schlechter bezahlt werden als Doulas und die Verantwortung  und die Haftung für ihren Tätigkeit tragen müssen.Für ihre Arbeit benötigen Doulas keine Haftpflicht mit entsprechend hohen Prämien und sie sind in ihrer Preisgestaltung nicht an einen Vertrag mit den GKV gebunden.“ Deutscher Hebammenverband e.V., September 2010

Eine Eins-zu-Eins Betreuung ist zwar Ziel des Hebammenverbandes , davon sind sie jedoch weit entfernt. Genau diese Lücke scheinen die Doulas zu füllen.

Wie finde ich die richtige Doula für mich?

Auf folgenden Websites könnt ihr Doulas in eurer Stadt (nach Postleitzahlen) suchen:

http://www.doulas-in-deutschland.de/doula-finden/

http://www.doula-info.de/doulas/search_list.htm

Aber auch über Suchmaschinen kann man schnell fündig werden, wenn man nach z.B. Doula München, Doula Nürnberg, Doula Berlin etc. sucht.

2017-06-26T12:54:04+00:00 März 23, 2017|Tipps von Mama|0 Comments

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